Die Zukunft des Frisbeesports – Wird Ultimate bald Olympisch?

Interview mit dem Geschäftsführer des Deutschen Frisbeesport Verbandes

Ultimate-Huskies-Berlin

Der Frisbeesport wird in den letzten Jahren mehr und mehr verstärkt in der Öffentlichkeit wahrgenommen, was nicht zuletzt einer immer professionelleren Ausrichtung geschuldet ist. Vor Kurzem habe ich mit Jörg Benner dem Geschäftsführer des Deutschen Frisbeesport-Verbandes gesprochen. Wie er zum Frisbee gekommen ist und wie sich der Frisbeesport in Deutschland entwickelt und er aktiv daran arbeitet, erfahrt ihr weiter unten. 

Hallo Jörg, stell dich doch bitte meinen Lesern kurz vor. Wer bist Du, was machst Du?

Hallo Johannes, mein Name ist Jörg Benner, ich bin 50 Jahre alt, vierfacher Vater und als studierter Germanist und gelernter Hörfunkredakteur seit gut 15 Jahren selbstständig im Bereich Journalismus und Öffentlichkeitsarbeit (PR) unterwegs. Ich stamme aus Radolfzell am Bodensee, habe in Konstanz studiert, wobei ich in verschiedenen Bands Musik gemacht habe, und bin anschließend über das Radiovolontariat in Freiburg nach Stuttgart und später zu Harald Schmidt nach Köln gewechselt. Nachdem mir die Ehre zukam, vor genau zehn Jahren mit “Frühsport 0,2” Köln einmal Deutscher Meister im Ultimate zu werden, dachte ich, es wäre eine gute Idee, dem Sport etwas zurückzugeben und ließ mich 2005 zum Geschäftsführer des Deutschen Frisbeesport-Verbandes wählen. Diesen bis jetzt rein ehrenamtlichen Posten habe ich nun genau zehn Jahre inne, wobei die Aufgaben zuletzt immer vielfältiger und mehr werden.

Wie bist du zum Frisbee gekommen?

Wir spielten Mitte der 1980er Jahre an der Schule in Radolfzell regelmäßig Frisbee (noch ohne jeden Anspruch auf Sportlichkeit). Einer unserer Freunde, Martin Langer, kam eines Tages mit der Info an, dass es eine Teamsportart namens Ultimate Frisbee gibt. Die ersten Erfahrungen sammelten wir in der Schweiz, zuerst bei einem “Grümpelturnier” in Flawil (das wir später drei Jahre in Folge gewannen und dann den Wanderpokal, eine Kuhglocke, behalten durften) und bei unserem ersten Großfeldspiel 1989 in Winterthur. Unser erstes Turnier war noch 1989 das “Savage Seven” in Karlsruhe, bei dem uns nur ein Sieg über die Essener Frauen gelang. Wir dachten anfangs: Mann-o-mann müssen die viele Taktiken haben, weil wir meinten, dauernd den Ruf “acht” zu hören. Es handelte sich aber um das uns noch unbekannte “Up”.

Was ist für dich das Besondere an dieser Sportart?

Für mich besteht die Besonderheit in genau vier Punkten, allen voran die Ästhetik des Scheibenflugs, die Möglichkeit durch das eigene Handgelenk den Flug der Scheibe in verschiedenen Kurven zu bestimmen, dann die Selbstregulierung gemäß dem § 1 des Regelwerks, Spirit of the Game, weiterhin das andauernde Zusammenspiel im Team, dass also nicht einer seinen “Egotrip fahren” kann, sondern wer gefangen hat, stehen bleiben und weiterpassen muss, und schließlich das Mixed Gender Play, also die Möglichkeit Mixed zu spielen, die es sonst nur im Korfball und zum Teil beim Volleyball gibt. In dieser Form ist Ultimate* auch World Games-Disziplin und somit Türöffner für die nationale und internationale Anerkennung (der Weltverband WFDF ist seit 2013 offiziell anerkannt durch das IOC).

Als Formel:

  • FLIGHT OF THE DISC
  • SPIRIT OF THE GAME
  • CONTINUOUS TEAM PLAY
  • MIXED GENDER PLAY
= ULTIMATE FRISBEE

Siehe dazu z.B. auch „Warum ist Ultimate Teamsport?“ oder zu meiner Einstellung auch den Song “Ultimessenger”.

Wenn der IOC den WFDF anerkannt hat, heißt das im Umkehrschluss, dass die Möglichkeit besteht, das Frisbee eines Tages olympisch wird? 😉

Die Anerkennung des WFDF durch das IOC ist vorläufig. Aber auch wenn diese Anerkennung dauerhaft würde, heißt das noch nicht, dass Flying Disc (so die offizielle Bezeichnung des Frisbeesports im World Games-Programm) automatisch oder schnell olympisch würde. Hier bestehen einander entgegengesetzte Interessen verschiedener Sportverbände, denn üblicherweise kann eine Sportart nur dann ins olympische Programm aufrücken, wenn eine andere dafür gestrichen wird. Im Vorjahr gab es dazu heftige Auseinandersetzungen, als u.a. das Ringen aus dem olympischen Programm gestrichen werden sollte.

Noch ein Wort zu der IOC-Mitgliedschaft. Derzeit stimmen die Mitglieder des WFDF (die Nationenverbände) über die neue Anti Doping-Ordnung statt. Da stehen Sätze drin, deren Wortlaut vorgegeben ist und die Restriktionen gegen Dopingsünder vorsehen. Dagegen sind einige der nationalen Sportverbände. Doch wenn diese Anti Doping-Ordnung des WFDF von den Mitgliedern NICHT anerkannt und somit nicht in Kraft treten würde, dann wären die Mitgliedschaften des WFDF beim IOC, bei der International World Games Association (IWGA), sowie bei weiteren Weltdachverbänden (SportAccord, ARISF) hinfällig. Das heißt, dass es keinen Sonderweg für den Frisbeesport geben wird: Entweder der Frisbeesport möchte weltweit im Konzert der anderen großen Sportverbände mitspielen, dann muss er auch die Regeln befolgen, oder er lässt es bleiben und wird auch keine offizielle Anerkennung erfahren.

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Wie entwickelt sich der Ultimate Frisbee Sport aktuell in Deutschland?

Zur Entwicklung des Frisbeesports allgemein und von Ultimate im Besonderen bestehen derzeit sehr viele Initiativen, die ich in zwei Abschnitte unterteilen kann. Einerseits vonseiten des Dachverbandes DFV und andererseits vonseiten der Ultimate-Abteilung des DFV. Ich versuche mich kurz zu halten … Fangen wir bei den praktischen Dingen der Ultimate-Abteilung an: In diesem Jahr gibt es nach 2008 erstmals wieder eine Mixed Indoor-DM, ein neuer Spielmodus ist in Arbeit, der ab 2016 in Kraft treten könnte, wonach alle Ligen nach demselben Prinzip aussehen könnten, gleichzeitig jederzeit erweiterbar in die Breite und nach unten. Die Terminierung der Turniere soll frühzeitiger erfolgen, damit eine längerfristige Turnier-, aber auch Urlaubsplanung möglich wird (dies ist abhängig von den potenziellen Ausrichtern, sprich den in jeder Liga teilnehmenden Teams).

Die Handzeichen werden verstärkt zur Anwendung gebracht, um die Kommunikation auf und neben dem Feld zu stärken. Mit Regel-Camps, Regel-TV und dem Regel-Freitag hat das SOTG- und Regelkomitee neue Methoden der Vermittlung der Regeln und des SOTG entwickelt. Zu guter Letzt entwickeln sich auch die Nationalteams stetig weiter und führen z.B. im November ihre bereits zweite Trainertagung durch, initiiert durch den Open-Nationaltrainer Stefan Rekitt aus München.

Auf Ebene des Verbandes tun wir derzeit alles, um die Bedingungen zur möglichen Aufnahme in den DOSB zu erfüllen, d.h. wir gründen Landesverbände (aktuell gerade in NRW und in Niedersachsen) und versuchen das Mitgliederwachstum zu mehren (bald 5.000 registrierte Mitglieder). Diese Landesverbände stellen allerdings keinen Selbstzweck dar, sondern sind ein Mittel, um den regionalen Austausch zu fördern, d.h. mehr Spielmöglichkeiten bei kurzen Anfahrtswegen, für Junioren, für Anfänger, Fortgeschrittene und Spitzenteams. 2015 soll es erstmals einen Länderwettkampf geben, evtl. in einer Spielklasse wie U23 Mixed: Jedes Bundesland, das ein Team stellen kann, wird daran teilnehmen.

Die Anerkennung eines Landesverbands Frisbeesports durch den jeweiligen Landessportbund bringt darüber hinaus jedoch ganz praktische Fördermöglichkeiten, d.h. handfeste Vorteile, von Fahrtkosten über bessere Trainingsmöglichkeiten, bis hin zur Teilnahme an Förderprogrammen und last not least an Schul-Vereins-Kooperationen. Gleichzeitig steht das DFV-Lehrteam kurz vor Abschluss des ersten Durchgangs einer Trainerausbildung Ultimate analog C-Lizenz (mit 120 Unterrichtseinheiten). Hier rückt die Jugend in den Mittelpunkt des Interesses: a) durch die Ausbildung von Trainern für Kinder und Jugendliche, b) durch die Gründung von Landesverbänden, um in Bundesländern stärkere Vernetzungen zu schaffen und c) durch die neu gegründete DFV-Jugendabteilung mit dem Vorstand Martin Reckmann aus Münster, die auch die außersportlichen Interessen der Junioren vertritt. Dieses Dreieck schafft die Voraussetzung für Breitenwachstum im Jugendbereich und stellt auch eine Voraussetzung für eine größere Attraktivität für Sponsoren dar.

Vielen Dank Jörg für das tolle Interview.

Web: Frühsport 0,2 | Deutscher Frisbeesport-Verband

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